1806 -1814 Ferdinand von der Toscana (*1769 +1824) Würzburg als Großherzogtum

Als Bruder des Kaisers und Enkel Maria Theresias konnte der neu ernannte Regent, Ferdinand von Habsburg, der gequälten Residenzstadt etwas von dem gewohnten hoheitlichen Glanz zurückgeben. Das nun entstandene Großherzogtum tritt dem Rheinbund bei, einem Zusammenschluss deutscher Staaten, der unter dem Protektorat Napoleons steht. Fürstprimas des Rheinbundes ist Kurfürst Karl Theodor von Dalberg, der mit Napoleon kooperiert und als einziger Kirchenfürst noch ein Staatsgebiet regieren darf. Regierungssitz seines Großherzogtums Frankfurt ist das Aschaffenburger Schloss.

Die  Bevölkerung ist im Februar 1806 von der Wiedererstehung ihres Staates begeistert. Ein Zeitgenosse schrieb: "Solange wir leben, wollen wir den erneuten Geburtstag unseres lieben Vaterlandes dankbar und mit Frohsinn feiern und auch unseren spätesten Nachkommen soll es noch ein festlicher, fröhlicher Tag sein. Dank der Vorsehung, welche das Glück der Völker nach ihrem ewigen Plane so wundersam lenket". Der neue Fürst ließ allerdings noch auf sich warten. Erst im Mai kam er in seine neue Residenzstadt und wurde "von seinen Untertanen mit unaussprechlichem Jubel empfangen." Die Presse berichtet von einer an Raserei grenzendem Enthusiasmus - einer hemmungslosen Loyalitäts- und Freudenorgie. Nach den mageren Jahre Thürheims, dem bayrischen Statthalter, sollten nun " die fetten Jahre" Ferdinands folgen.

Die Verflechtung mit Napoleons Politik brachten aber dramtische Schattenseiten. Für seine Kriege gegen Preußen, Spanien, Rußland und Österreich mußte der kleine Staat maßlose Summen an Geld aufbringen. Ebenso waren Truppen zu stellen. Von dem Würzburger Kontingent sahen nur wenige die Heimat wieder.

Am 3. Oktober 1806 kommt Napoleon von Aschaffenburg aus nach Würzburg. In seinem  Gefolge sind 10.000 Mann, die in Würzburg Quartier nehmen. Zu dem Empfang des Kaisers erscheinen auch der König von Württemberg und der Erbprinz von Baden.

Der ehemalige Fürstbischof Georg Karl verstirbt 1808, der weltlichen Ämter längst enthoben, als einfacher Diözesanbischof in Bamberg. Der Würzburger Bischofsstuhl bleibt 10 Jahre lang, bis 1818 unbesetzt.

1812 kommt Marie Louise von Österreich nach Würzburg. Sie ist seit 1810 Gattin Napoleons und damit Kaiserin von Frankreich.
Als Tochter von Kaiser Franz II. ist sie auch die Nichte von Großherzog Ferdinand.

Franz II. hatte 1806 seine Regentschaft über das Heilige Römische Reich Deutscher Nation beendet – das alte Reich für erloschen erklärt und sich als Franz I. zum Kaiser von Österreich erhoben. Österreich war zuvor nur ein Erzherzogtum – Franz wollte aber nicht mit dem Herzogtitel hinter Kaiser Napoleon zurückstehen.

Mit dem Untergang Napoleons geht auch die Zeit des Großherzogtums zu Ende. Als das inzwischen (1806) vom Herzogtum zum Königreich erhobene Bayern - Tirol und Salzburg wieder abgeben muss, erhält es als Ausgleich die Territorien der Fürstentümer Aschaffenburg und Würzburg. Die Stadt wird nun königlich-bayerisch. Ferdinand kehrt in sein eigentliches Stammland, die Toskana mit Florenz als Residenzstadt zurück.


Großherzog Ferdinand empfängt 1806 Kaiser Napoleon in Würzburg
Gemälde von Hyppolite Lecomte im Schloss von Versailles

 


Verdiensturkunde vom 29. März 1808 für einen Oberleutnant
Mit eigenhändiger Unterschrift des Großherzogs Ferdinand

weiter mit: Maximilian I. Joseph (1814 - 1825) Würzburg im Königreich Bayern

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