Napoleons Zukunftsplanung für den Dalberg-Staat und Aschaffenburg
Als Nachfolger Dalbergs im Großherzogtum Frankfurt war zunächst Napoleons Stiefonkel, der französische Kardinal Joseph Fesch (1763-1839) vorgesehen. Auf Dalbergs eigenen Vorschlag hin wurde er 1806 zum Mitregenten gewählt. Nachdem er aber heftig gegen die Behandlung des Papstes durch Napoleon protestierte, fiel er in Ungnade und musste zurücktreten. Nachfolger wurde der Vizekönig von Italien, Eugène de Beauharnais, Sohn aus der ersten Ehe von Napoleons Ehefrau, der Kaiserin Josephine. Im Zuge seiner Machtpolitik, die möglichst viele Gebiete unter seinen Einfluss oder seine Abhängigkeit bringen sollte, plante der Kaiser, Eugène mit Auguste Amalia, der Tochter des bayerischen Kurfürsten Maximilian Joseph zu verheiraten.  Am 31. Dezember 1805 schreibt Napoleon dem ahnungslosen Eugène, der sich gerade in seiner Villa nahe Padua aufhält:  „Ich bin in München angekommen und habe Ihre Heirat mit der Prinzessin Auguste abgemacht. ….. Sie ist sehr hübsch. Ihr Bildnis finden Sie auf beiliegender Tasse - sie sieht aber noch besser aus“. Die Tasse stammte mit größter Wahrscheinlichkeit aus der Porzellanmanufaktur Nymphenburg. Eugène fügte sich und schrieb zurück: „Das Bild auf der Tasse ist wunderschön. Ich werde mein Möglichstes tun, das Original glücklich zu machen. Auch Auguste willigte schließlich ein – dabei kann eine wichtige Rolle die Tatsache gespielt haben, dass man sich Napoleons Willen nicht so einfach widersetzen konnte. Vermutlich war ihr bekannt, dass bei ihrer Zustimmung Bayern unter ihrem Vater zum Königreich von Napoleons Gnaden wird – andernfalls aber die bayerische Regentschaft der Familie Wittelsbach verlorengehen könnte. In den Erinnerungen von Augustes Bruder Ludwig, dem späteren König Ludwig I., findet sich eine Äußerung, die Napoleon zu Max Joseph gemacht haben soll. „ Wenn sie nicht kooperiert hätten, säße jetzt der Prinz Murat auf ihrem Platz“. Joachim Murat, Marschall Frankreichs, Ehemann von Napoleons Schwester Caroline, wäre demnach König von Bayern geworden und die Wittelsbacher wohl im Exil verschwunden. Da es anders kam, wurde Murat König von Neapel. Nachdem er die neuen Machtverhältnisse nach Napoleons Scheitern  nicht anerkennen wollte, wurde er 1815 zum Tode verurteilt und standrechtlich erschossen.


  Auguste Amalie                  Hochzeit im Grünen Palais der Residenz 1806                Eugène

Zu der vereinbarten Hochzeit trifft Eugène am 10. Januar in München ein und muss zunächst auf Anweisung Napoleons seinen Bart abnehmen. Auguste sei an „raue Krieger“ nicht gewohnt. Beide sind bei ihrer ersten Begegnung voneinander angetan. Ihre Mutter Karoline schrieb zu dieser Zeit in einem Brief: „Auguste war die ersten Tage von tiefem Schmerz erfüllt…. All das ist nun vorüber“. Eugène wird derweil vom Napoleon für seine Fügsamkeit belohnt. Er wird offiziell adoptiert und erhält mit dem Namen „Eugène Napoleon“ den Titel Kaiserliche Hoheit. Napoleon nennt ihn nun „seinen Sohn“ und bestimmt ihn zu seinem Nachfolger als erblichen König von Italien.

Am 13. Januar 1806 findet schließlich die Ziviltrauung nach französischem Recht in der Grünen Galerie der Münchner Residenz statt. Diese Hochzeit ist auf einem Gemälde festgehalten, das sich heute im Schloss von Versailles befindet. Obwohl das Ereignis in München spielt und sich das Gemälde in Versailles befindet, besteht doch eine enge Beziehung zu dem Schicksal Aschaffenburgs.

Immerhin zeigt es den im Schloß Johannisburg residierenden Großherzog Karl Theodor von Dalberg, der aus Aschaffenburg angereist war und die Trauung vollzog. Es zeigt mit Eugène Beauharnais seinen designierten Nachfolger. Mit Kurfürst Maximilian Joseph ist derjenige zu sehen, der später durch den Wandel der politischen Situation tatsächlich unser Landesherr wird und schließlich auch dessen ältesten Sohn, damals als Kronprinz mit 19 Jahren – den späteren König Ludwig I., der zu Aschaffenburg eine enge Verbindung finden wird. Ludwig stand zur Zeit der Hochzeit seiner Schwester Napoleon sehr kritisch gegenüber und konnte sich mit dessen Herrschaft über seine Familie nicht abfinden, obwohl sich der Kaiser sehr bemühte, seine Widerspenstigkeit zu brechen. So verlieh er ihm das Großkreuz der Ehrenlegion und seinen Degen, den er bei Austerlitz getragen habe. Ludwig bleibt dennoch kritisch. So äußert er 1807 „Wenn der Satan in menschlicher Gestalt wandelte, glaube ich, es wäre Napoleon.“


Brief von Eugène Beauharnais vom 2. März 1810 mit eigenhändiger Unterschrift - in italienischer Sprache, betreffend die Bereitstellung
von Finanzmitteln für die Zivilkrankenhäuser, die durch die Behandlung französischer Soldaten zusätzlichen Aufwand hätten.

Mit dem Niedergang Napoleons änderte sich auch die Rolle von Eugène und Auguste, deren Ehe im Übrigen sehr glücklich verlief und aus der sieben Kinder hervorgingen. Davon heiratete die älteste Tochter Josephine (1807-1876) den König von Schweden, August (1810-1835) die Königin von Portugal und Amélie (1812-1873) den Kaiser von Brasilien.

Um die Familie seines Schwiegersohnes Eugène zu versorgen, verlieh ihm König Maximilian I. den Titel eines Herzogs von Leuchtenberg und eines Fürsten von Eichstätt. Sommersitz der Familie wurde Schloß Ismanning. In München ließ Eugène von Hofbaumeister Leo von Klenze das Palais Leuchtenberg (mit 253 Zimmern) errichten. Das repräsentative Bauwerk, größtes dieser Art in München, wurde nach dem Tod von Eugènes Witwe Auguste an den Prinzregenten Luitpold verkauft. Nach schweren Beschädigungen im 2.Weltkrieg wurde es durch den Freistaat Bayern als Ruine erworben und ist heute Sitz des Bayerischen Staatsministeriums der Finanzen, dem auch die Verwaltung der Bayerischen Schlösser anvertraut ist. Die Pariser Residenz der Familie wurde als „Palais Beauharnais“ Sitz des deutschen Botschafters. Die Residenz des ebenfalls oben erwähnten Marschalls Murat ist heute als „Elysee-Palast“ der Sitz des französischen Staatspräsidenten.




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