Ludwig III. (1912-1918) *1845 +1921

Nach dem Tode des Prinzregenten Luitpold übernahm sein ältester Sohn als Ludwig III. im Alter von 67 Jahren die Nachfolge. Im Gegensatz zu seinem Vater nahm er (im November 1913) den Königstitel an. Schon ein knappes Jahr später lösten die Schüsse von Sarajewo den ersten Weltkrieg aus. 

Schon nach wenigen Tagen als König, besuchte Ludwig III. am 18. November 1913 Aschaffenburg. Wie sein Vater liebte auch er die Jagd im Spessart und nutzte den Aufenthalt in Rohrbrunn zu einem Abstecher in die nahe Stadt. Die Aschaffenburger Zeitung fand wieder große Worte „… dem neuen König entbieten wir unseren Gruß, ihm huldigen wir, ihm gilt der festliche Schmuck unserer Stadt. Stolz gedenken wir Aschaffenburger der erfreulichen Tatsache, daß unsere Stadt zu den ersten im Lande zählt, wo Ludwig III. seinen offiziellen Einzug hält. Er ist uns ja seit Jahren ein guter Bekannter geworden, wenn das herbstliche Jagdhorn in die Gründe des Spessarts lockte, dann gab es wohl stets auch festliche Tage für Aschaffenburg…... der 18. November mag in der Geschichte der Stadt ein Ruhmesblatt sein, er mag zeigen, dass auch fern von der Residenz des Landes echte Bayernherzen schlagen.“ 

Das Begrüßungszeremoniell fand wieder einmal im Königssalon des Bahnhofes statt, wo der Regierungspräsident von Unterfranken und Bürgermeister Dr. Matt die Festansprachen hielten. Anschließend gab es eine Rundfahrt durch die festlich geschmückte Stadt bei der es allerdings zu einem Zwischenfall kam, als ein Demonstrant dem König zurief „Hoch lebe die Republik, da kommt der König, wir haben Hunger und nichts zu fressen….“ Der Mann wurde sofort verhaftet. 

Auf dem Schloßplatz gab es ein musikalisches Zeremoniell, das im Treppenhaus von verschiedenen Gesangvereinen fortgesetzt wurde. Am Nachmittag verließ der König wieder die Stadt, um nach Rohrbrunn zurückzukehren. 

Für den 19. September 1914 waren Feierlichkeiten zur hundertjährigen Zugehörigkeit Aschaffenburgs zu Bayern geplant und es sollte das Denkmal für den Prinzregenten Luitpold am Sandtor enthüllt werden. Der Ausbruch des ersten Weltkrieges verhinderte diese Feiern – der König konnte wegen der Umstände nicht anreisen. Das Denkmal wurde dann am 9. Mai 1915 in aller Stille angebracht, wofür sich der König per Telegramm bedankte.

Am 18. August 1915 kam Königin Marie Therese nach Aschaffenburg – wieder einmal diente der Königssalon am Bahnhof der Begrüßung durch Bürgermeister Dr. Matt. Marie Therese besuchte die Verwundeten in den Lazaretten und spendete 1000 Mark für die betroffenen Familien.

Zum letzten Besuch eines Wittelsbacher Königs kam es am 2. Mai 1917 statt. Kurz zuvor hatte sich der Aschaffenburger Magistrat für eine Änderung der Regularien bei Königsbesuchen eingesetzt. Es sollten nicht nur länger nur hohe Militärs und Staatsbeamte die dominierende Position einnehmen, sondern auch breitere Bevölkerungsschichten beteiligt werden.  Auf der Fahrt zum Schloß besichtigte Ludwig das Denkmal seines Vaters am Sandtor. Im Schloß selbst waren für ihn sicher die dort untergebrachten Lazarettsäle der wichtigste Eindruck. Mit seinem Gefolge fuhr der König mit dem Dampfschiff nach Mainaschaff und machte eine ironisch Bemerkung über die „reine Farbe“ des Wassers mit dem die Aschaff in den Main mündete. Das Problem der Abwässer der nahen Zellstoffabrik sollte aber erst in unserer Zeit gelöst werden. Der König kehrte nicht nach Aschaffenburg zurück sondern bestieg in Kleinostheim seinen Sonderzug. 

Die Aschaffenburger Zeitung schreibt zum Abschied: „Aschaffenburgs Einwohnerschaft war hochbeglückt über den hohen Besuch und wird diese Stunden den Annalen der Geschichte mit besonderer Genugtuung einverleiben ! War der heutige Besuch im Hinblick auf die Kriegszeit auch weniger prunkreich, so war er doch nicht minder herzlich, und wir alle sind von dem Wunsche beseelt, daß wir unseren allverehrten Landesvater recht bald wieder im Zeichen des Friedens in unserem schönen Ascheberg begrüßen können.“

Es kam anders. Am Ende des Krieges 1918 mußte Ludwig wegen der Revolutionswirren aus Bayern fliehen und gab noch im November aus dem Exil in Österreich die Erklärung ab: „ daß er nicht mehr in der Lage sei, die Regierung fortzuführen….“ Die Jahrhunderte alte Regentschaft der Wittelsbacher war damit am Ende und Bayern wurde Republik. Auch für Aschaffenburg begann damit ein neues Zeitalter.

An Ludwig III. erinnert in Aschaffenburg keine Straße und kein Denkmal. Die junge Republik hatte andere Gedanken, als Könige zu preisen.

Urkunde für den Generalmajor Otto von Redwitz
München, 3. Januar 1914 - mit eigenhändiger Unterschrift des Königs

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