Ludwig II. (1864-1886)

Nach dem plötzlichen Tode seines Vaters wurde Ludwig II. im Alter von nur 18 Jahren König von Bayern. Er litt unter persönlichen Problemen, löste seine Verlobung mit Herzogin Sophie der jüngsten Schwester der berühmten Sissi, wieder auf, zeigte sich menschenscheu, nur den Künsten verbunden und besuchte kaum die Hauptstadt zu Regierungsgeschäften. Seine tragische Lebensgeschichte ist hinreichend bekannt, sodass hier nur auf die Verbindung zu Aschaffenburg eingegangen werden soll. 

Schon im Jahr seiner Krönung, am 30. Juni 1864,  besuchte König Ludwig II. seinen Großvater König Ludwig I. in Aschaffenburg. Dieser empfing seinen Enkel schon am Bahnhof höchstpersönlich. Die Aschaffenburger Zeitung schrieb: „Nach gegenseitiger herzlicher Umarmung bestiegen die beiden Majestäten unter den stürmischsten Hochrufen der massenhaft am Bahnhof versammelten Einwohnerschaft die bereitgehaltenen königlichen Hofwagen und fuhren durch die reich dekorierten Straßen zum königlichen Schloße. Obwohl alle Empfangsfeierlichkeiten verbeten waren, hatten sich die hiesigen Gesangvereine, die Schützen und Turner mit einem Musikkorps am Bahnhofe eingefunden und es ertönte beim Erscheinen des Königs die bayrische Nationalhymne. Der jugendliche Monarch machte auf alle Anwesenden durch seine liebevolle Erscheinung den günstigsten Eindruck.“

Die Besonderheit, dass hier der eine König (Ludwig I.) den anderen König (Ludwig II.) empfängt erklärt sich damit, dass Ludwig I. seinen Rücktritt  während der Lola-Montez-Affäre mit der Auflage verband, den Titel „Königliche Hoheit“ beizubehalten. 

Ludwig II. besuchte mit seinem Großvater den Park Schönbusch, das Pompejanum und das Schöntal bevor er am nächsten Morgen Aschaffenburg mit Ziel Bad Kissingen wieder verließ. 

Zwei Jahre später kam es im Zuge der deutschen Einigung 1866 zu dem sogenannten Bruderkrieg zwischen Österreich und Preußen, von dem auch unsere Stadt Aschaffenburg berührt wurde. Der Dichter des Deutschlandliedes, Hoffmann von Fallersleben, befürchtete, dass Deutschland geteilt und der Main zu Grenze würde. In diesem Sinne verfasste er ein mahnendes Gedicht. Der Lithograph Ludwig Burger hielt die hier abgebildeten Kriegszenen, die sich in und um Aschaffenburg abspielten im Bild fest. Viele Soldaten, der mit Bayern verbündeten Österreicher fielen hier im Kampf und wurden auf dem Altstadtfriedhof bestattet. Zu ihrem Gedenken wurde wenig später das Österreicher Denkmal errichtet.


Am Freihofsplatz in Aschaffenburg - Ruhe nach dem Kampf


Gefechte in der Fasanerie


und am Aumühlturm in Damm

Nach den Kampfhandlungen bereiste Ludwig die leidgeprüften Gebiete und traf am 20. November auch in Aschaffenburg ein, wo er vier Tage bleiben sollte. Die Zeitung berichtet, wie bei den anderen Königsbesuchen zuvor, wieder überschwenglich von der Begrüßung am Bahnhof, von der Aufwartung der städtischen Behörden im dortigen Königssalon (wohl eingerichtet, weil so viele Königsbesuche nur im Bahnhof stattgefunden hatten) Besonderen Eindruck soll ein Willkommensgedicht gemacht haben, das von jungen Mädchen vorgetragen wurde. Der Text ist überliefert: 

Wie leuchtet heute, gleich einem Frühlingsmorgen
Von Lust und Wonne unser Sehnsuchtsblick
Es weichen düstre Nebel, bange Sorgen
An ihre Stell tritt neues Lebensglück

Gegrüßet sei, edler Fürst in unsrer Mitte
Von Deinem Bayervolke, dem getreuen
Du schenktest freundliches Gehör der trauten Bitte
Auch uns durch Deinen Anblick zu erfreuen.

Heil Ludwig Dir, deß höchstes Herrschers Streben
Das eine göttlich hohe Ziel nur kennt
Zum Wohl und Heil Deines Volkes zu leben,
das liebend Dich seinen Herrn und König nennt.

Du senktest gnädigst von des Thrones Höhen
Auf uns herab den milden Vaterblick
Du wolltest uns im Kampf nicht länger bluten sehen
Und gabst voll Huld den Frieden uns zurück

So laßt die Stimme uns zu Gott erheben
Und flehen für des Theuren Königs Heil !
Ja lange, lange mög‘ Ludwig leben
Und jedes Glückes Füll‘ wird Ihm zu Teil

Der Weg zum Schloß glich - von den Hochrufen der Bürger begleitet - einer Triumphfahrt. Der Krieg war vergessen. Die folgenden Tage waren angefüllt mit Ehrungen unterschiedlichster Art. Ein Feuerwerk am Mainufer, (unser Volksfest läßt grüßen) Fackelzug der Musikgruppen, Vereine und Institutionen, Serenaden, darunter besonders passend der „Thannhäuser Marsch“ von Richard Wagner.

Ludwig besuchte aber auch die verwundeten Soldaten in den Spitälern und die das Institut der Englischen Fräulein.  Erst am 24. November verlies er die Stadt in Richtung Würzburg. Zuvor bat er noch den Bürgermeister ins Schloss, der hierzu die folgende Erklärung abgab:

„Seine Majestät der König haben unmittelbar vor Allerhöchst ihrer Abreise den Unterzeichneten zur Audienz berufen, die Befriedigung über den Aufenthalt dahier ausgesprochen, und den Auftrag erteilt, der Bürgerschaft wiederholt den Dank und die Anerkennung für den herzlichen Empfang und die vielfachen Beweise der Liebe und Anhänglichkeit auszusprechen.

Ich beehre mich, dieses zur Kenntnis der Einwohner zu bringen.
Aschaffenburg, den 24.11.1866
Der rechtskundige Bürgermeister
Dr. Vogler

In den folgenden 20 Jahren seiner Regentschaft sollte Ludwig II. nicht wiederkommen.
Nur mit der Benennung der Ludwigstraße (1871) wurde in Aschaffenburg seiner gedacht.

Proklamation nach der Reise Ludwigs                            Österreicher Denkmal zur Erinnerung an die gefallenen Soldaten
durch die Kriegsgebiete des Mainfeldzuges                       der mit Bayern verbündeten Österreicher

Der Main darf nicht zu deutsch-deutschen Grenze werden
Ein unbekanntes Gedicht von Hoffmann von Fallersleben
Bericht in der Zeitschrift "Spessart" vom August 2008