Maximilian II. (1848-1864)

Das Erbe Maximilians war nicht einfach. Innenpolitisch verlangte die sogenannte „Märzbewegung“ die Beschränkung der königlichen Macht, die Einführung einer zweiten Kammer als wirkliche Volksvertretung, eine Volksbewaffnung oder auch die Wiedereinführung der Pressefreiheit. Außenpolitisch ging es um die Deutsche Frage -um die Vormachtstellung Preußens oder Österreichs in einem vereinten Deutschland- sowie um die Großdeutsche oder Kleindeutsche Lösung - also mit oder ohne Österreich. Letztlich aber ging es für Maximilian vor allem darum, wie die Eigenständigkeit Bayerns bewahrt werden kann, denn dass der deutsche Einheitsstaat nicht aufzuhalten war, war deutlich zu spüren. 

Maximilians Beziehung zu Aschaffenburg war nicht sehr ausgeprägt. Er hatte sich zwar als Kind in Begleitung seiner Eltern öfters in Aschaffenburg aufgehalten, zumal es seinem Vater Ludwig I.  hier ausnehmend gut gefiel. In seinen Memoiren erinnert er sich noch an einen Besuch im April 1816, als er gerade einmal 4 Jahre alt war. Er schreibt: „Einen angenehmen Eindruck machten mir das freundlich gelegene geräumige Aschaffenburger Schloss mit seinen Gütern. Meinem Gedächtnis fest eingeprägt blieb die dort zuerst gehörte Melodie des God save the King, mit der meine Aeltern bey einem Volksfeste, durch einen Edelmann, Baron Mergenbaum, veranstalteten Musikfeste begrüßt wurden“. Mergenbaum, der seit 1811 Besitzer des Nilkheimer Hofes war, hat wohl des Öfteren Feste zu Ehren der königlichen Familie ausgerichtet, wofür sich Ludwig I. zum Beispiel auch in dem erwähnten Schreiben vom 30. September 1819 bedankt hat. 

Am 5. August 1850 kam Maximilian II. zum ersten Mal als König nach Aschaffenburg. Nach einem Bericht der Aschaffenburger Zeitung hielt sein Sonderzug vor den Grenzen der Stadt und er stieg in einen Wagen um, der ihn nach Aschaffenburg brachte. Soldaten und Reservisten standen an der Mainbrücke Spalier – die Straßen waren mit blauweißen Fahnen geschmückt. Um 9 Uhr abends widmete die Bürgerschaft unter Leitung des Magistrats und der Gemeindebevollmächtigten einen Fackelzug und musikalische Darbietungen im Schlosshof. Dem König soll es gefallen haben. Am nächsten Morgen besuchte er das hier stationierte Soldatenbataillon und Arbeiten von Schülern der staatlichen Gewerbeschule.  

Wie man einen Aschaffenburgbesuch kürzer gestalten kann, zeigte Königin Marie am 13. Juli 1857, als sie sich nur am Bahnhof aufhielt, Huldigungen entgegennahm und dann die Reise nach Darmstadt fortsetzte, um dort die hessische Herzogsfamilie zu besuchen. 

Königlicher Glanz fiel mitunter auch auf unsere Stadt, wenn andere Mitglieder der königlichen Familie auf Durchreise waren. So besuchte am 24. August 1858 König Otto von Griechenland seinen Vater Ludwig I. in Aschaffenburg. Ludwig holte seinen Sohn persönlich am Bahnhof ab. Die Aschaffenburger Zeitung schrieb: „Gestern Abend trafen seine Majestät König Otto von Griechenland im hiesigen Bahnhof ein, woselbst seine Majestät König Ludwig I. des hohen Gastes harrte. Ferner waren daselbst zur ehrfurchtsvollen Begrüßung die Spitzen der Civil- und Militärbehörden versammelt, sowie sich auch eine zahlreiche Menschenmenge am Bahnhof versammelt hatte. König Otto, der mit herzlichsten Hochrufen begrüßt wurde, dankte nach allen Seiten hin aufs freundlichste….“ 

Weitere zwei Besuche in Aschaffenburg absolvierte Maximilian ökonomisch nach dem Vorbild seiner Gattin. So berichtet die Aschaffenburger Zeitung am 30. Juni 1860:
„Zur Begrüßung sr. Maj. des Königs Maximilian, dessen Ankunft gestern Mittag um 2 Uhr erfolgte, hatten sich Herr Stadtkommissär v. Baur, Herr Bürgermeister v. Herrlein, die hochwürdige Geistlichkeit, sowie das Offizierskorps im Hiesigen Bahnhofe eingefunden. Während des kurzen Aufenthaltes unterhielten sich Sr. Maj. auf das Freundlichste mit den anwesenden Personen.“ 

Von einem weiteren Besuch Maximilians wird am 13. Oktober des gleichen Jahres berichtet: „Wir hatten zugleich am frühen Morgen des 12. Oktober die große Freude, Seine Majestät, welche, von Rohrbrunn kommend, durch unsere Stadt zur Eisenbahn fuhren, allwo sich die Spitzen der Zivil- und Militärbehörden eingefunden hatten, persönlich begrüßen zu können. Nach kurzem Aufenthalte, während dessen der König sich mit einigen Anwesenden aufs Freundlichste unterhielt, setzte derselbe unter dem Hochrufe der am Bahnhof Versammelten mittels eines Extrazuges die Reise nach Darmstadt fort.“ 

Ähnlich verlief 1863 der letzte Besuch Maximilians. Die Aschaffenburger Zeitung schrieb am 4. September: „Gestern Mittag kurz nach 1 Uhr traf Seine Majestät König Maximilian von Bayern auf seiner Rückreise von Frankfurt nach München mittels eines Extrazuges dahier ein, begrüßt mit freudigen Hochs der zahlreich am Bahnhof versammelten Menschenmenge. Während des kurzen Aufenthaltes Sr. Maj. trugen die hiesigen Gesangvereine im Verein mit der Regimentsmusik die bayerische Nationalhymne, sowie das deutsche Vaterlandslied vor, worüber Seine Majestät einem Gesangs-Mitgliede die vollste Anerkennung bezeigte.“ 

Maximilian verstarb rund ein halbes Jahr später am 10. März 1864 und Ludwig II. wurde König. Vor ihm besuchte der inzwischen verbannte König Otto von Griechenland mit seiner Gattin Amalie noch einmal die Stadt am Untermain, sie besichtigten das Pompejanum und reisten dann direkt weiter nach Darmstadt. 

Festzuhalten ist, dass Maximilian II. - von seinem Antrittsbesuch 1850 abgesehen - in den folgenden 14 Jahren nur dreimal nach Aschaffenburg kam und „Hof hielt“, ohne dabei den Bahnhof zu verlassen. Dass dies nicht nur kritiklos, sondern geradezu freudig kommentiert wurde, spiegelt das Obrigkeitsdenken dieser Zeit.

Urkunde vom 31. März 1855 für einen Hofbeamten
mit eigenhändiger Unterschrift des Königs

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