Karl Theodor von Dalberg (1744 - 1817)

Der letzte Kurfürst und Erzbischof von Mainz 1802 - 1803

Kurfürst im Fürstentum Aschaffenburg 1803 - 1810
Großherzog von Frankfurt 1810 - 1813

Gemälde in der Staatsgalerie im Schloss Johannisburg Aschaffenburg
 

 

Auf Druck Preußens war dem unberechenbaren Mainzer Erzbischof Erthal schon 1787 der tiefreligiöse und dennoch weltoffene Karl Theodor von Dalberg als Koadjutor mit dem Recht der Nachfolge zu Seite gestellt worden. Als Erthal 1802 verstarb, wurde Dalberg denn auch planmäßig zum neuen Landesherrn gewählt, der allerdings nur noch von Aschaffenburg aus die linksrheinischen Gebiete regieren konnte.

Dalberg war ein aufgeklärter Fürst, der Kunst, Theater und Wissenschaft förderte. Er war mit Goethe und Schiller befreundet und verkehrte mit Herder, Wieland und Wilhelm von Humboldt. Er verfaßte selbst wissenschaftliche Schriften wie z.B. „Betrachtungen über das Universum“. Seine Residenzstadt Aschaffenburg, förderte er nach Kräften. Der Ort war trotz der günstigen Lage am Main und den stark genutzten Verkehrsstraßen neben dem mächtigen Schloß ein unbedeutendes Landstädtchen geblieben. Noch gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurden kaum mehr als 5000 Einwohner gezählt. Dalberg ließ die verfallene Stadtmauer, Tortürme und Stadttore abbrechen und setzte damit mit Nachdruck Maßnahmen fort, die schon unter Erthal begonnen hatten. Die Bemühungen führten dazu, daß die krummen, engen und schmutzigen Gassen, in denen noch die Schweine herumliefen, bald vergessen waren. Die ständige Präsenz des Hofes brachte die hohe Geistlichkeit, Adel und Beamte hierher, die standesgemäße Baulichkeiten errichten ließen. Dalberg setzte Prämien für schöne Bauten aus und so wird berichtet, daß bald mehr als 100 Häuser in besserem Geschmack gebaut und auch der bestehenden Bausubstanz ein schöneres Äußeres gegeben wurde. Dalberg ersetzte den kleinen Friedhof an der Agathakirche durch eine Neuanlage (heute Altstadtfriedhof). Er sorgte für eine geordnete Straßenreinigung und führte die Straßenbeleuchtung ein. Das Deutschordenhaus in der Schlossgasse verwandelte er in das erste Aschaffenburg Theater. Die Stadt blühte also auf und war nicht mehr, wie früher von Merian, Blainville und anderen berichtet, eine unbedeutende Ansiedlung neben einem prächtigen Schloß, sondern sie wurde eine selbstbewusste Stadt mit kulturellen und baulichen Glanzpunkten.

Anders verlief die Landesentwicklung. Der Niedergang des alten Kurstaates war längst besiegelt. Napoleon, der im November 1799 die Macht an sich gerissen hatte, war dabei, die politische Landschaft Deutschlands nachhaltig zu verändern. Mit dem sogenannten Reichsdeputationshauptschluß verwandelte er 1803 den Flickenteppich von hunderten Klein- und Kleinststaaten in nur noch 30 selbständige Gebiete mit entsprechend veränderten Dimensionen. Die zahlreichen geistlichen Reichsstände wurden im Rahmen der Säkularisation bis auf einen kleinen Rest aufgelöst und zu den wenigen Ausnahmen zählte das neue Fürstentum Aschaffenburg, zu dem auch Regensburg und Wetzlar gehörten. Damit war Dalberg von allen Kirchenfürsten der einzige, der, jetzt als Kurerzkanzler, noch weltliche Regierungsgewalt ausüben konnte. Die Würde des Kurfürsten, Erzbischofs, Reichserzkanzlers und Primas von Deutschland wurde allerdings auf das Bistum Regensburg übertragen, womit das einst so mächtige und mehr als tausend Jahre alte Kurfürstentum Mainz für immer erlosch. Den Realitäten der Zeit folgend, bot Dalberg Napoleon die Deutsche Kaiserkrone an. Der Kaiser bezeichnet ihn aber als „ideologischen Utopisten“. 

 

Napoleon besuchte Dalberg dreimal in Aschaffenburg. Das erste Zusammentreffen am 2. Oktober 1806 wurde von dem französischen Schlachtenmaler Bourgeois vor dem Hintergrund der Stadt im Bild festgehalten, sodaß heute ein Bild des Schlosses Johannisburg im Schloß von Versailles zu besichtigen ist.

 


Gemälde im Schloss von Versailles


1806 wurde Dalberg Fürstprimas des Rheinbundes, mit dem 16 süd- und westdeutsche Fürsten unter Napoleons Protektorat aus dem Reich austraten. Für Kaiser Franz II. war dies Anlaß, die Krone niederzulegen und als Franz I. Kaiser von Österreich zu werden. Die Bedeutung, die man seinerzeit dem damit verbundenen formalen Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation beimaß, bringt Goethe mit seiner Bemerkung zum Ausdruck, ein Streit seines Kutschers habe ihn mehr interessiert, als diese Nachricht.
Die Kooperation mit Napoleon bringt Dalberg neue Gebietsgewinne, darunter die bis dahin freie Reichsstadt Frankfurt, die nun von Aschaffenburg aus regiert wird. 1810 geht Regensburg an Bayern verloren, im Gegenzug erhält Dalberg die Grafschaft Hanau und Teile des Hochstiftes Fulda. Das neue Staatsgebilde trug nun den Namen Großherzogtum Frankfurt in dem überall, so auch in Aschaffenburg, der „Code Napoleon“, also das französische Gesetzbuch galt. Dalberg trug nun auch den Titel „königliche Hoheit“

 

Interessant ist die Regelung, wonach nach dem Tode Dalbergs sein Staat an die französische Krone, konkret an Napoleons Adoptivsohn Eugene Beauharnais, Sohn von Kaiserin Josephine aus deren erster Ehe, übergehen sollte. Dalberg hat sich dieser Regelung gefügt, wie es beispielhaft sein Schreiben vom 11. August 1813 zeigt. Darin will er seinem Nachfolger vorab schon einmal den Spessart schenken, dessen Ausbeutung für den Schiffsbau der französischen Marine von großem Nutzen sein könnte.

 

Mit dem Untergang Napoleons war aber auch das Schicksal dieses Dalbergstaates besiegelt. 1814 zog sich Dalberg ohne persönliches Eigentum nach Regensburg zurück. Der bayerische König Maximillian Joseph I. gewährte ihm dort eine lebenslange Rente, die er vorwiegend für wohltätige Zwecke verwendete, die auch Aschaffenburg zugute kamen.
Vor den Regensburger Klerikalschülern soll er öfters einen Auspruch wiederholt haben, der für seine Stimmung in den letzten Lebensjahren charakteristisch ist. „Ich habe auf die Welt gebaut und die Welt hat mich betrogen. Halten sie es nicht mit der Welt, bleiben sie treue Söhne der Kirche“. Der letzte Erzbischof und Kurfürst von Mainz starb 1817 als schlichter Diözesanbischof von Regensburg. Er wurde in der dortigen Domkirche bestattet. Sein Herz wurde aber nach Aschaffenburg verbracht und befindet sich heute in der Stiftskirche.

 



Eigenhändige Unterschrift des Kurfürsten Karl
unter dem in Aschaffenburg ausgestellten Dienstzeugnis
vom 28.11.1802 für den Jäger Heinrich Franz.

 

Päpstliche Bulle von Pius VII. zur Übertragung des Erzbischöflichen Stuhles von Mainz nach Regensburg


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