Kardinal Albrecht von Brandenburg
Kurfürst und Erzbischof von Mainz 1514 - 1545
Gemälde im Landesmuseum Mainz



Zur Zeit der Wahl des neuen Erzbischofs war das Kurfürstentum hoch verschuldet. Von Albrecht versprach man sich eine Lösung der finanziellen Probleme. Zunächst mußte er allerdings selbst noch beim Bankhaus Fugger einen Kredit in Höhe von 29.000 Gulden aufnehmen, um seine Wahl zu finanzieren. Die Art und Weise, wie Albrecht die Rückzahlung finanzierte, sollte für die gesamte römische Kirche schicksalhaft werden. Papst Leo X., der selbst dringend Geld für den Bau des Petersdomes benötigte, erlaubte Albrecht, in Deutschland den Sündenablaß zu verkaufen. Die Hälfte des Erlöses war für Rom bestimmt, die andere Hälfte konnte Albrecht behalten. Als Ablaßprediger wurde der Dominikaner Johann Tetzel eingesetzt, der durch seine Methoden den Augustiner Martin Luther empörte. Luther verfaßte seine 95 Thesen, von denen man in der Schule immer noch lernt, daß er sie an die Türe der Schlosskirche zu Wittenberg angeschlagen hat. Dieses Ereignis hat nach dem Stand der Wissenschaft aber so nicht stattgefunden. Es gibt keine entsprechenden zeitgenössischen Berichte und auch Luther selbst hat es nie behauptet. Erst nach Luthers Tod taucht bei dem Humanisten Melanchton die Version mit dem Türanschlag auf. Tatsächlich hat Luther seine Thesen auf dem normalen Dienstweg vorgetragen, nämlich in einem Schreiben an den Erzbischof von Mainz, der sich in Aschaffenburg aufhielt und dort Luthers Schreiben Ende November 1517 erhielt. Die 95 Thesen, die am Anfang der Reformation stehen, eine Kirchenspaltung mit schlimmsten Folgen auslösten und die Welt nachhaltig veränderten, erblickten also in Aschaffenburg das Licht der Öffentlichkeit.

Der mächtig Barockfürst, der die bedeutendsten Künstler seiner Zeit an seinen Hof holte, führte ein verschwenderisches Leben. Das Bild mit den prunkvollen Fingerringen in unserer Galerie spricht für sich. Albrecht könnte durchaus bedauert haben, daß auch bei ihm nur 10 Finger zur Verfügung standen. Seiner Machtfülle und Unantastbarkeit bewusst, ließ er seine Geliebten als Frauen des Alten Testamentes und sich selbst - mit ihnen gemeinsam - als Heilige von Dürer, Cranach und Grünewald malen. Für die Mutter einer Geliebten und für seinen Enkel ließ er in der Aschaffenburger Stiftskirche Gedenktafeln setzen. Eine ebenfalls dort aufbewahrte Kostbarkeit aus der Zeit Albrechts ist Grünewalds „Beweinung Christi“. Ursprünglich sollte sie Ihren Platz in der Beginenkirche im Tiergarten, dem heutigen Park Schöntal, finden.

Die Beteiligung Aschaffenburgs am Bauernkrieg 1526 strafte der Kurfürst mit dem Entzug von wichtigen Rechten. Die Stadt durfte anstelle des alten Wappens nur noch ein „A“ im Siegel führen. Gegen Ende seiner Regierungszeit hatte Albrecht erhebliche finanzielle Probleme, was sich auch in einem Schreiben an das Domkapitel wiederspiegelt, in dem der Regierungschef für seinen Hof um Vorlagen aus der Landessteuerkasse bittet. Seine kurfürstlichen Gnaden seien leider in unglücklicher Zeit an die Regierung gekommen, es seien weder Geld, Kleinodien noch Naturalien an Wein etc. vorhanden ... und er hätte schier weder zu essen noch zu trinken. Tatsächlich überließ Brandenburg dem Bistum eine erhebliche Schuldenlast, als er 1545 in Mainz verstarb. Die Bedeutung des Kurstaates war aber ungeschmälert, so daß sich Kaiser und Papst bemühten, die Nachfolgefrage in ihrem Sinne zu regeln.

         

Bild links: Die Hl.Ursula, mit dem Gesicht einer der Lebensgefährtinnen von Kardinal Albrecht, der des öfteren sich selbst und seine Gespielinnen als Heilige - unter anderem von Cranach, Dürer und Grünewald - malen ließ.
Bild Mitte: Grabstein für die Mutter (Ottilia Strauß) seiner Geliebten (Agnes Pless) in der Stiftskirche
Bild rechts: Grabstein für seinen Enkel Albrecht Kirchner - ebenfalls in der Stiftskirche
 

Aschaffenburg verdankt dem Kardinal zahlreiche Kunstschätze.
Hier die 'Beweinung Christi' von Matthias Grünewald (Stiftskirche)

weiter mit: Sebastian von Heusenstamm (1545-1555)

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